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Reichweite, Ladenhüter, ABC: Lagerkennzahlen aus Odoo

In fast jedem Lager stecken 20 bis 30 Prozent des gebundenen Kapitals in Artikeln, die im letzten Jahr nicht bewegt wurden. Sie fallen nicht auf, weil der Lagerwert als eine Zahl berichtet wird.


Warum der Lagerwert eine schlechte Kennzahl ist

„Lagerwert 840.000 €“ beantwortet keine Frage. Steigt er, kann das Wachstum sein oder ein Einkaufsfehler. Fällt er, kann das Effizienz sein oder eine drohende Lieferunfähigkeit. Die Zahl bekommt erst Bedeutung, wenn man sie ins Verhältnis zum Verbrauch setzt.

1. Reichweite je Artikel

Bestand geteilt durch den durchschnittlichen Verbrauch pro Tag ergibt die Reichweite in Tagen. Auf Artikelebene gerechnet trennt sie sofort drei Gruppen: unter der Wiederbeschaffungszeit (Gefahr), im Zielband (in Ordnung), weit darüber (gebundenes Kapital).

Reichweite (Tage) = Bestand / (Abgangsmenge letzte 90 Tage / 90)

Der Bestand steht in stock.quant, aggregiert über die internen Lagerorte. Die Abgänge stehen in den Lagerbewegungen (stock.move) mit Status done und einem Zielort außerhalb des eigenen Lagers. Zwei Fallstricke: Umlagerungen zwischen eigenen Lagerorten dürfen nicht als Verbrauch zählen, und Artikel ohne Abgang haben eine Reichweite von unendlich — die müssen in einen eigenen Topf, nicht ans Ende der Sortierung.

2. Ladenhüter sauber definieren

„Dead Stock“ ist kein Odoo-Feld, sondern eine Definition, die man treffen muss. Brauchbar ist: Bestand größer null, kein Abgang in den letzten X Tagen, wobei X von der Branche abhängt — 180 Tage im Handel, 365 Tage im Ersatzteilgeschäft, weniger bei Verderblichem.

Entscheidend ist, was man nicht als Ladenhüter zählt: Sicherheitsbestände für Serviceverträge, Ersatzteile mit vertraglicher Vorhaltepflicht, saisonale Ware außerhalb der Saison. Ohne diese Ausnahmen produziert die Liste Widerspruch statt Handlung, und beim zweiten Mal schaut niemand mehr hin.

Die Auswertung ist eine Verknüpfung: alle Artikel mit Bestand aus stock.quant, dagegen das letzte Abgangsdatum aus den Lagerbewegungen. Artikel, die in der zweiten Menge fehlen, sind die interessantesten — sie wurden nie bewegt.

3. ABC-Analyse, aber nach Deckungsbeitrag

Die klassische ABC-Analyse sortiert nach Umsatz: A-Artikel machen 80 % des Umsatzes, C-Artikel die letzten 5 %. Nützlicher ist dieselbe Analyse nach Deckungsbeitrag. Umsatzstarke Artikel mit dünner Marge binden Aufmerksamkeit und Kapital, ohne viel beizutragen.

KlasseAnteil am DeckungsbeitragWas daraus folgt
A~80 %Nie ohne Bestand. Lieferantenrisiko aktiv managen.
B~15 %Normale Disposition, feste Meldebestände.
C~5 %Auf Bestellung, Mindestbestellmengen prüfen, Sortiment ausdünnen.

Eine wiederkehrende Erkenntnis dieser Auswertung: Ein erheblicher Teil des Sortiments erzeugt zusammen weniger Deckungsbeitrag als die Kosten seiner Verwaltung. Das ist unangenehm, weil jeder dieser Artikel einmal aus einem guten Grund aufgenommen wurde.

Was diese drei Zahlen zusammen ergeben

Reichweite zeigt, wo das Kapital zu lange liegt. Die Ladenhüterliste zeigt, wo es gar nicht mehr arbeitet. Die ABC-Analyse zeigt, wo Aufmerksamkeit hingehört. Gemeinsam beantworten sie die einzige Lagerfrage, die die Geschäftsführung wirklich interessiert: Wie viel Geld können wir aus dem Lager holen, ohne lieferunfähig zu werden?

Erfahrungsgemäß liegt die Antwort bei 10 bis 20 Prozent des Bestandswerts, ohne dass ein Kunde es merkt. Bei 840.000 € Lagerwert sind das 84.000 bis 168.000 € — mehr, als die meisten Kostensenkungsprogramme dieser Größenordnung je erreichen.

Lagerbestand ist Kapital, das sich als Sicherheit tarnt.

Weiter: Fünf Kennzahlen, die eine Geschäftsführung wöchentlich braucht.

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